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Was machen wir spontan, wenn wir mit Komplexität konfrontiert sind?

Was machen wir spontan, wenn wir mit Komplexität konfrontiert sind?

Jetzt ist ja wieder Ferienzeit und vielleicht kennen Sie die Qual der Wahl bei der Auswahl des Urlaubsquartiers. Preis, Lage, Blick, Außengelände, Treppen, Raumanzahl , Entfernung zum Verkaufsladen oder Badesee, Ruhe, Kulturmöglichkeiten usw. spielen eine Rolle.  Am Ende kommen einige Quartiere in die Schlussrunde und es geht dann nur noch nach einem – jeweils für Sie sehr wichtigen - Kriterium. Sie vereinfachen also die Sache.

Damit handeln Sie so, wie es die Mehrheit der Probanden von Dietrich Dörner in dessen komplexen Beispielsituationen tat. Der Psychologe Dietrich Dörner ließ kleine Gruppen von 4-5 Menschen einen ganzen Tag lang komplexe Probleme über Computersimulation lösen:

  • z.B. als Bürgermeister von Lohhausen agieren, einem kleinen Ort mit einer Uhrenfabrik und hoher Arbeitslosigkeit
  • z.B. Inhaber einer Schokoladenfabrik in Wien sein, die fast pleite ist
  • z.B. als Feuerwehrmann einen Waldbrand bekämpfen, der sich unkalkulierbar ausbreitet

Dabei stellte er* immer wieder fest, dass nicht erfolgreiche Probanden zu folgenden ungünstigen Spontanreaktionen neigten:

Affirmative Wahrnehmung
 Man nimmt nur das wahr, was die eigenen Vorstellungen von der Welt bestätigt. Was das eigene Weltbild gefährdet, wird nicht zur Kenntnis genommen oder weginterpretiert. Affirmative Wahrnehmung ist vor allem deshalb so gefährlich, weil man nichts Falsches wahrnimmt. Die Wahrnehmung ist nicht falsch, sondern unvollständig.
 Bsp. ich sehe das, was mich beschäftigt (Forschungshypothese, Automarke, Klinken für Hausbau, schwangere Frauen,…)

Nichtberücksichtigung von Neben- und Fernwirkungen
 Aktionen haben nicht nur die angepeilten Wirkungen, sondern Nebeneffekte, die ihrerseits andere Prozesse auslösen.
 Bsp.: Einführung einer großzügigen Einspeisevergütung für die Errichtung von Solarstromanlagen -> viele Menschen ließen sich wegen der Einspeisevergütung Solaranlagen auf die Dächer setzen, nutzten selbst aber den billigen Strom aus dem öffentlichen Netzwerk.

Methodismus
 Nach dem preußischen Militärtheoretiker Carl von Clausewitz, meint dies eine Tendenz, Handlungen, die sich – bei einem selbst oder bei anderen – als erfolgreich erwiesen haben, in ähnlichen Situationen wieder anzuwenden, ohne zu prüfen, ob die Bedingungen für die Handlungen gegeben sind.
 Der VW Käfer war 1950 ein außerordentlich erfolgreiches Auto. Dann wollten die Kunden ein größeres Auto mit mehr Beinfreiheit und größerem Kofferraum. VW aber baute weiterhin den Käfer und geriet damit in eine schwierige Lage.

Einfach planen und einfach handeln
 Menschen lieben die Einfachheit; sie erspart ihnen das Denken.
 Bsp. Arbeitslosen einen Topf Farbe geben und damit die Umwelt verschönern

Horizontale Flucht
 man kann das schwierige Problem durch ein einfaches ersetzen.
 Bsp. das brennende Problem der Festlegung des zuzulassenden Krümmungsgrades von Salatgurken in der EU fällt unter diese Rubrik.

Aktionismus
 Geschäftigkeit zeigen und vortäuschen. Das zeigt, dass man effektiv handeln kann (auch wenn die Effekte des Handelns das eigentliche Problem nicht betreffen).
 Bsp. geschäftig durch das Büro gehen und stöhnen, dass so viel zu tun ist

Was man anstelle dieser Spontanreaktionen tun kann, ist u.a. Thema des 9. QRC-Kongresses, der am 10.09. und 11.09.2016 in Dresden stattfindet.

*Dörner, D. (2003): Die Logik des Misslingens. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg.

 Anmeldung zum QRC Kongress 2016: Komplexität & Achtsamkeit

Dr. Sigrun Fritz

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